Die inneren Jahreszeiten im weiblichen Zyklus

Immer wieder läuft bei einer Frau in ihren fruchtbaren Jahren ein wiederkehrender körperlicher Rhythmus ab – der Rhythmus des weiblichen Zykluses.

Diesen inneren und natürlichen Rhythmus zu entdecken, zu lernen, was in den verschiedenen Phasen geschieht und die verschiedenen Qualitäten wertzuschätzen kann dich viel über dich selbst lehren. So kannst du das Wissen um deinen weiblichen Zyklus in dein Leben integrieren und je nach Phase bewusster und mehr im Einklang mit dir dein Leben gestalten.

Leider werden die verschiedenen Zyklusphasen in unserer westlichen Gesellschaft nicht oft wertgeschätzt. Und das obwohl jeder die Auswirkungen kennt, wenn er gegen natürliche Zyklen geht – z.B. wissen wir alle, wie sich ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus anfühlt: man ist gereizt, hat schlechte Laune, schläft schlecht und fühlt sich nicht wohl. Warum sollte das anders sein, wenn wir unseren inneren weiblichen Zyklus ignorieren?

„Nicht der Zyklus ist das Problem - das Problem ist eine Kultur, die Frauen vorschreibt, einer bestimmte Vorstellung zu entsprechen.“

Pope & Hugo Wurlitzer

Um deinen Zyklus besser zu verstehen, gibt es das tolle Bild der inneren Jahreszeiten. So wie es in der Natur Winter-Frühling-Sommer-Herbst gibt, so kannst du dir auch deine verschiedenen Zyklusphasen mit diesen Jahreszeiten-Qualitäten anschauen.

Doch was geschieht eigentlich beim weiblichen Zyklus im Körper?

Ganz grob vereinfacht : Der Zyklus beginnt mit dem Einsetzen der Blutung und die erste Zyklushälfte beginnt. In dieser Zeit baut sich die Gebärmutterschleimhaut langsam wieder auf und die Follikel reifen im Eierstock heran. Das hier „vorherrschende“ Sexualhormon ist das Östrogen, welches von den Follikeln gebildet wird. Ist der Östrogenspiegel hoch genug, löst es das Lutisierende Hormone (LH) aus und es kommt zum Eisprung, dies ist die fruchtbare Zeit. Nun beginnt die zweite Zyklushälfte: das Ei wandert in die Gebärmutter wo sich die Schleimhaut weiterhin aufbaut und nun gut durchblutet wird, damit sich das potentiell befruchtete Ei gut einnisten kann. Aus der Hülle des gesprungen Eies bildet sich der Gelbkörper, welcher wiederum das Progesteron (auch Gelbkörperhormon genannt) produziert. Somit ist das „vorherrschende“ Hormon in der zweiten Zyklushälfte das Progesteron. Wenn es nicht zu einer Befruchtung gekommen ist, baut sich der Gelbkörper wieder ab und der Zyklus endet am Tag vorm Einsetzten der nächsten Menstruationsblutung. Das Menstruationsblut ist nichts anderes als die abgestoßene Gebärmutterschleimhaut.

Weitere Infos zum Menstruationszyklus und den einzelnen Sexualhormonen findest du in einem anderen Beitrag auf Frauengeflüster.

Und was hat das nun mit den Jahreszeiten zu tun?

Wie du eben gelesen hast, baut sich in deinem Zyklus deine Fruchtbarkeit auf und nach dem Eisprung auch wieder ab…genauso ist es auch in der Natur.

  • Im Winter ruht alles, die Natur zieht sich zurück in den Winterschlaf – dies ist die Zeit deiner Menstruation.
  • Im Frühling erwacht alles wieder, es sprießen die Knospen und die Natur bereitet sich auf die fruchtbare Zeit vor – dies ist die Zeit zwischen deiner Menstruation und deinem Eisprung.
  • Im Sommer blüht alles, es ist mehr Energie da und das Leben findet aktiv im Außen statt – dies ist die Zeit um deinen Eisprung herum.
  • Im Herbst beginnt der erneute Rückzug, die Natur lässt los und bereitet sich auf den Winterschlaf vor – dies ist die Zeit nach deinem Eisprung bis zu deiner Menstruation.

Die Energien in der Jahreszeiten findest du in deinem Zyklus wieder. Bevor wir uns das genauer anschauen, möchte ich dir sagen, dass alles was hier besprochen ist kein muss oder soll, sondern ein kann ist. Es gibt keinen perfekten Zyklus und für dich können sich die Phasen auch anders anfühlen. Das ist vollkommen okay. Jede Frau fühlt sich auch in unterschiedlichen Phasen wohl(er), auch das ist in Ordnung. Es geht nicht darum, dass der Sommer cool und der Winter s* ist. Sonder darum, dich besser kennen zu lernen.

Und nun schauen wir uns die inneren Jahreszeiten einmal genauer an:

Diese Zeit beginnt meist schon ein 1-2 Tage vor deiner Menstruation. Es ist die Zeit der Stille und der Pause, die Zeit des Ausruhens und in sich Gehens. Viele kennen das von euch wahrscheinlich auch, dass sie in dieser Zeit ein deutlich größeres Bedürfnis nach Ruhe verspüren. Und dieses Runterfahren gibt deinem Körper auch die Kraft, die es für die Menstruation braucht. Schließlich ist es auch ein Loslassprozess, die Gebärmutterschleimhaut wird losgelassen, euer vorheriger Zyklus wird losgelassen und danach kommt eine neue Zeit. Wie ein Reset. Und eine Zeit für dich. Während der Menstruation kannst du alles abgeben, du musst nichts tun, du darfst dich ausruhen, Kraft sammeln, neu ausrichten, auftanken, aufladen, innehalten, ausrichten und sortieren. Auch die Natur baut in der Winterzeit den Stress ab und zieht sich aus dem weltlichen heraus. Auch du kannst dies ganz natürlich in deinem inneren Winter tun.

Nun bist du vielleicht von Menstruationsschmerzen betroffen und fragst dich, wie du da zur Ruhe kommen kannst – siehe es als eine Reise an, in der du Zyklus für Zyklus mehr auf dich und deine Bedürfnisse achtest und mit der Zeit wird sich hoffentlich auch was in deinen Menstruationsbeschwerden ändern.* Habe Geduld mit dir.

Praktische to do`s für die innere Winterzeit

  • Schreibe dir deine Winterzeit in deinen Kalender und packe dir diese Zeit nicht so voll. Du kannst dir z.B. auch Essen vorkochen und dir vorab schon mehr Unterstützung in der Familie und bei Freunden organisieren.
  • Schaffe dir Momente des Nichtstuns, verwöhn deine Sinne (z.B. ein Bad nehmen, stelle dir schöne Blumen hin).
  • Reserviere dir Zeit dir Zeit nur für dich – und seihen es nur 10-30 Minuten am Tag.
  • Gehe deine Aufgaben langsamer an und schenke dir schon somit mehr Ruhe.
  • Dies ist eine gute Zeit für tiefe Mediationen.
  • Auf Kraftsport solltest du verzichten, mache lieber Spaziergänge und ruhige Körperübungen (z.B. Yin Yoga)
  • Esse eher warme Speisen, damit dein Körper die Wärme bekommt, die er braucht.

Diese Zeit beginnt zum Ende bis wenige Tage nach deiner Menstruation. Nun beginnt das Frühlingserwachen, nach der Reinigung und dem Kräfte sammeln im Winter geht es wieder aufwärts und die Energien kommen zurück und gehen langsam(!) wieder mehr ins Außen – es beginnt spürbar ein neuer Zyklus. Das Bedürfnis sich wieder mehr mit andern zu verbinden und um ander zu kümmern steigt. Auch deine sexuelle Energie erwacht wieder mehr.

Neue Pläne werden geschmiedet, alles erscheint möglich und kannst dich wieder leichter für Dinge motivieren. Dass tolle am Frühling ist, dass dies die Zeit ist wo du Dinge  voller Neugier und Leichtigkeit ausprobieren kannst. Nimm deine ganzen Ideen wahr aber unterliege nicht dem Zwang allen nachgehen zu müssen. Denn alles braucht seine Zeit und du musst nach dem Winterschlaf auch erst einmal wieder in die Gänge kommen 😉 Nach dem Rückzug des Winters ist natürlich einiges an Arbeit liegen geblieben. Gehe achtsam mit den Aufgaben um und mache nicht gleich wieder zu viel – dies kann sich sonst am Ende des Zyklus bemerkbar machen, indem keine Kraft mehr da ist. Es ist die Zeit der Leichtigkeit und des Träumens, ohne das gleich die Vernunft dazu kommt und alles umgesetzt werden muss.

Praktische To do`s für den inneren Frühling

  • Mache Dinge dir dir Spaß machen, verabrede dich z.B. wieder mehr.
  • Schreibe deine Ideen auf, so kommst du auch nicht in den Zwang, gleich alles umsetzten zu müssen. Einige Ideen können auch noch in den nächsten Zyklen umgesetzt werden.
  • Du kannst dich nun langsam wieder mehr sportlich bewegen, joggen gehen, schwimmen gehen usw.
  • Pusche dich nicht gleich wieder mit zu viel Kaffee hoch 😉

Dies sind die Tage um deinen Eisprung herum, es ist deine fruchtbarste Zeit. Hier ist deine Energie am höchsten, dir fallen viele Dinge sehr leicht und du kannst sehr produktiv sein. Du kannst dich gut konzentrieren und fokussieren und es macht dir Spaß, dich mit andern Menschen zu verbinden und ins Außen zu gehen. Es kann sich so anfühlen, als gebe es fast keine Grenzen und mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen fällt dir leicht. Du gehst zuversichtlich an die Aufgaben heran und bist im Vertrauen, dass alles gut ist. Diese Zeit schenkt dir Elan die Dinge umzusetzen, die sich im Frühling als Ideen gezeigt haben. Es ist wie endlich einen Gipfel bestiegen zu haben und nun kannst du dich feiern und die Energie auf dem Höhepunkt genießen.

Auch sexuelle Lust kann sich hier viel zeigen, was biologisch natürlich viel Sinn macht, da es deine fruchtbarste Zeit ist.

Praktische To do`s für den inneren Sommer

  • Zu Beginn der Sommerzeit schaue noch einmal genau hin welche Ideen von der Frühlingszeit umgesetzt werden wollen.
  • Projekte hier umsetzten.
  • Hier die meiste Hausarbeit erledigen.
  • Sozialleben genießen, gute Zeit für Gespräche.
  • Gönne dir etwas, was all deine Sinne anspricht und dir Genuss verschafft.
  • Gute Zeit für Kraftsport und PowerYoga.
  • Achte drauf, dass du nicht zu zu vielen Projekten ja sagst, die dann in der Herbst/Winterzeit umgesetzt werden müssen, wenn die Energie wieder eine andere ist.

Dies ist die Zeit nach deinem Eisprung bis 1-2 Tage vor dem Einsetzten deiner Menstruation. Hier kannst du dir die Früchte deines Sommers anschauen, Bilanz ziehen und dich langsam wieder auf den Winter vorbereiten.

Der Übergang bereitet vielen Frauen Schwierigkeiten, was auch ein Spiegel unserer Gesellschaft ist. Denn das Erwachen der Kräfte im Frühling und die kraftvolle Zeit im Sommer ist sozial erwünscht, jedoch nicht das Runterfahren und Zurückziehen im Herbst. Deshalb kann sich diese Zeit auch schwierig für dich anfühlen, hin und hergerissen zwischen beiden Energiequalitäten. Und dann kann es auch passieren, dass dies auf unsere Stimmung drückt und wir gereizter sind. Es ist jedoch auf keinen Fall falsch, sondern zeigt uns den Spagat zwischen Erwartungen im Außen und Bedürfnissen im Inneren, die wir in unserem Herbst nicht mehr gut deckeln können. Wir haben keine Energie mehr dafür uns und unserem Umfeld etwas vor zu machen, wir haben die Chance authentischer zu sein. Und das ist doch eigentlich erst einmal was positives. Natürlich ist es unangenehm, wenn sich – besonders die als PMS Zeichen bekannten – Symptome wie Antriebslosigkeit, Gereiztheit, Müdigkeit, Brustspannen, Heißhungerattaken etc. zeigen. Aber bitte stemple sie nicht als schlecht ab, sondern schau hin. Auch die Naturheilkunde hat zahlreiche Möglichkeiten, wie sie dich in dieser Zeit unterstützen kann.

„Es geht um die Rückkehr zu sich selbst. Die Innenwelt bekommt einen höheren Stellenwert in erinnert an die eigenen Bedürfnisse und Wünsche.“ Pope & Hugo Wurlitzer

Praktische To do`s für den inneren Herbst

  • Beim Übergang in den inneren Herbst halte bewusst inne und frage dich – was kann ich würdigen und anerkennen?
  • Gehe das Leben bewusst langsamer und achtsamer an.
  • Sage häufiger „nein“ zum Außen.
  • Nutze die Zeit um ein Stück mehr im Inneren und Äußeren aufzuräumen.
  • Schraube deinen Sport wieder langsam herunter und schaue, was dein Körper wirklich braucht.

Wie soll ich das bitte mit Job, Familie und Freunden verbinden?

Vielleicht denkst du jetzt – schön und gut, aber wie soll ich das alles im Alltag umsetzten?

Zuallererst beachte bitte, dass es nicht um Selbstoptimierung geht und nicht darum, dass du alles sofort um 180 Grad änderst. Es ist vielmehr eine Reise zu dir selbst und ich möchte dich einladen dir Zyklus für Zyklus etwas Zeit für diese Beobachtungen einzuräumen und jeden Zyklus mehr über dich zu entdecken. Manchmal reichen schon kleine Erkenntnisse, dir dir weiterhelfen dich mehr mit deinem zyklischen Innenleben zu verbinden und es im Außen und in deinem Alltag widerspiegeln zu lassen. Schon wenn du dir 10 Minuten Zeit am Tag dafür nimmst, bringt das viel. Und dies deshalb, weil du die Qualitäten der einzelnen Phasen mehr und mehr kennen lernst und weißt, welche Aufgaben dir in welcher Phase mehr liegen, welche Fähigkeiten dir wann mehr zugänglich sind und du dich so nicht mehr selbst überreden musst alles immer können zu müssen. Sondern du weißt um deine Stärken und Schwächen und kannst danach leben. Du gehst mit dem Fluß, statt gegen ihn anzukämpfen. Wenn du deine Energie- und Stimmungsschwankungen und dich besser kennst, kannst du auf dem Lebensfluss segeln statt zu rudern. Und das verbraucht am Ende sehr viel weniger Energie.

Die zyklischen Veränderungen wahrzunehmen und zu verstehen ist eine große Bereicherung und wenn wir mit zyklischen Bewusstsein leben, können wir am Ende sogar effektiver, produktiver und gesünder sein. Zyklusachtsamkeit ist somit ein großes Geschenk, welches du dir selber Zyklus um Zyklus schenken kannst.

*Bei anhaltenden Menstruationsbeschwerden oder PMS Symptomen gehe bitte zu einem Arzt/einer Ärztin oder einem/r Heilpraktikerin.

Büchertipps zu Zykluswissen findet du in unserer Leseecke.

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