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Antientzündliche Ernährung – Fokus Fettsäuren

In diesem Blogbeitrag geht es um antientzündliche Ernährung - mit besonderem Fokus auf Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. In den Medien werden diese Fettsäuren oft stark vereinfacht dargestellt: Omega-3 gilt als “entzündungshemmend”, Omega-6 dagegen als “entzündungsfördernd”. Diese Einteilung greift jedoch zu kurz. Ob eine Ernährung entzündungsregulierend wirkt, hängt nicht von einer einzelnen Fettsäure oder einem einzelnen Lebensmittel ab, sondern vom Zusammenspiel vieler Faktoren.

Chronische Entzündungsprozesse werden oft unterschätzt

Entzündliche Prozesse spielen nicht nur bei akuten Infektionen eine Rolle, sondern sind auch meist an chronischen Beschwerden beteiligt. Dazu zählen unter anderem Erkrankungen des Bewegungsapparats, Stoffwechselerkrankungen, Störungen des Darmmilieus, der Haut oder des Immunsystems. Eine antientzündliche Ernährungsweise ist ein fundamentaler Baustein in der therapeutischen Begleitung.

Wichtig ist dabei ein differenzierter Blick: Was für die eine Person super funktioniert, kann für eine andere überhaupt nicht verträglich sein. Die antientzündliche Ernährung ist kein klar standardisiertes Einzelkonzept und keine starre Diät. Vielmehr handelt es sich um eine Ernährungsweise, die entzündungsfördernde Einflüsse reduzieren und gleichzeitig gut verträgliche, nährstoffreiche und entzündungshemmend wirkende Lebensmittel in den Alltag integrieren soll.
Für TherapeutInnen bedeutet das vor allem: nicht dogmatisch beraten, sondern schrittweise individuell und alltagstauglich begleiten.

Wichtige Aspekte dafür, erfährst du in diesem Blog-Beitrag!

Gesamtmuster der Ernährungsweise zählt

Eine antientzündliche Ernährung orientiert sich nicht an Verboten, sondern an einer günstigen Grundstruktur. Dazu gehören vor allem:

  • eine hohe pflanzliche Vielfalt,
  • eine ausreichende Ballaststoffzufuhr,
  • hochwertige Protein- & Fettquellen,
  • möglichst frische Produkte und eine
  • individuelle Anpassung an Verträglichkeit und Verdauungskapazität.

 

Hochverarbeitete Produkte sind häufig reich an Zucker, ungünstigen Fetten, Zusatzstoffen und dazu noch ballaststoffarm - daher sollten sie nur selten auf den Tisch kommen. Trotzdem darf auch Genuss Teil einer antientzündlichen Ernährungsweise sein. Ein Stück Kuchen mit FreundInnen, ein Eis im Sommer oder hin und wieder ein Glas Eistee machen aus einer ansonsten ausgewogenen Ernährung keine „entzündungsfördernde“ Lebensweise. Im Gegenteil: Ein entspannter, freudvoller Umgang mit Essen unterstützt auch die psychische Gesundheit und hilft dabei, Ernährungsempfehlungen langfristig alltagstauglich umzusetzen.

Gerade deshalb sollte antientzündliche Ernährung in der therapeutischen Praxis nicht als starres Regelwerk vermittelt werden. TherapeutInnen sollten außerdem sensibel dafür bleiben, wenn Ernährung zunehmend von Kontrolle, Angst, Schuldgefühlen oder sozialem Rückzug geprägt ist. Zeigen sich Hinweise auf essstörungstypische Muster, sollte die Beratung keinesfalls in Richtung Restriktion verstärkt werden. Stattdessen geht es dann darum, Druck herauszunehmen, Flexibilität zu fördern und ggf. an entsprechend qualifizierte Fachpersonen zu verweisen.

Verarbeitungsgrad, Zucker und Zutatenlisten

Auch wenn viele hochverarbeitete Produkte tatsächlich kritisch zu bewerten sind, gibt es ebenso verarbeitete Lebensmittel mit ernährungsphysiologischem Mehrwert, zum Beispiel Sauerteigbrot oder fermentierte Produkte. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Nicht jedes verarbeitete Lebensmittel ist per se schlecht.

In der therapeutischen Praxis ist es wichtig, Lebensmittelqualität, Herstellungsweise, Verträglichkeit und individuellen Kontext gemeinsam zu betrachten, anstatt alle verarbeiteten Produkte pauschal in einen Topf zu werfen. Entscheidend ist, wie ein Produkt verarbeitet wurde und welche Zutaten und Zusatzstoffe enthalten sind. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf das Zutatenverzeichnis: Produkte, die auf den ersten Blick ähnlich wirken, können sich in ihrer Zusammensetzung enorm unterscheiden. Wie groß diese Unterschiede sein können, zeigt sich z.B. beim Thema Zusatzstoffe: In der EU sind insgesamt mehr als 300 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Ein Argument unter vielen, biologisch erzeugte Lebensmittel zu bevorzugen, denn hier sind nur rund 50 Zusatzstoffe erlaubt. Anbauverbände wie Naturland, Bioland und Demeter sind in puncto Zusatzstoffe sogar noch strenger und lassen nur etwa 20 Stoffe zu. Außerdem sind Bio-Produkte weniger mit Pestiziden belastet.

KlientInnen dürfen deshalb dazu ermutigt werden, Zutatenlisten kritisch zu lesen und nicht nur auf Vorderseiten-Versprechen wie „natürlich“, „leicht“, „high protein“, “low carb” oder „ohne Zuckerzusatz“ zu achten.

Ob Ahornsirup, Kokosblütensirup, Agavendicksaft, Dattelsirup, Honig oder Haushaltszucker – am Ende zählt vor allem die aufgenommene Gesamtmenge. Die enthaltenen Mineralstoffe klingen zwar auf dem Etikett schick, spielen mengenmäßig aber praktisch keine Rolle. Deshalb sind diese Alternativen nicht automatisch besser, sondern haben lediglich einen anderen Eigengeschmack.

Etwas differenzierter zu betrachten sind ballaststoffreichere Alternativen: Yacon-Sirup enthält beispielsweise Fructooligosaccharide, also präbiotische Ballaststoffe, und kann deshalb eine interessante Alternative sein. Das Süßen mit Lebensmitteln wie ganzen Datteln, Bananen, Apfelmark oder anderen Trockenfrüchten unterscheidet sich von der Verwendung isolierter Zuckerarten, da in diesen Lebensmitteln zusätzlich gesundheitsförderliche Stoffe stecken. Gleichzeitig enthalten auch sie große Mengen an Zucker, weshalb die Menge weiterhin eine Rolle spielt.

Pflanzliche Vielfalt als zentrale Grundlage

Gemüse, Kräuter, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen liefern viele Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Aus therapeutischer Sicht ist gerade eine breite pflanzliche Vielfalt besonders relevant, weil sie entzündungsregulierende Prozesse auf mehreren Ebenen unterstützen kann: über die Nährstoffversorgung, über antioxidative und bioaktive Substanzen sowie über günstige Effekte auf das Darmmikrobiom.

Für die praktische Beratung sind einfache Bilder hilfreich. Das Regenbogen-Prinzip – „Eat the rainbow“ – macht Vielfalt greifbarer: bunte Teller, frische Kräuter, verschiedene Gemüse- und Obstsorten und eine möglichst abwechslungsreiche Auswahl über die Woche hinweg. Eine gute Orientierung sind mindestens 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche – gerne auch mehr.

In unserer Praxiswerkstatt haben wir einen praktischen Abreiß-Block zur antientzündlichen Ernährung gestaltet - direkt zum Mitgeben in der Beratung!

Ballaststoffe: relevant für Darm, Blutzuckerspiegel und Sättigung

Die pflanzlichen Lebensmittel helfen dabei, die empfohlene Ballaststoffzufuhr von min. 30g/Tag zu sichern. Die meisten Menschen erreichen diese Menge nicht - daher liegt hier besonders viel therapeutisches Potential. Ballaststoffe unterstützen die Sättigung und eine stabile Blutzuckerregulation. Gleichzeitig können sie Schadstoffe binden und das Darmmikrobiom günstig beeinflussen. Bei der bakteriellen Fermentation von Ballaststoffen entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat. Butyrat dient den Zellen der Darmschleimhaut als wichtige Energiequelle und unterstützt dadurch die Regeneration und Stabilität der Darmbarriere. Gleichzeitig wirkt Butyrat systemisch entzündungsregulierend, indem es Immunprozesse im Darm moduliert, regulatorische Immunzellen unterstützt und entzündungsfördernde Signalwege abschwächen kann. Dadurch trägt es auch dazu bei, die Immunbalance der Darmschleimhaut zu stabilisieren. Darüber hinaus kann Butyrat auch über gastrointestinale Hormone wie GLP-1 (Glucagon-like Peptid 1) und PYY (Peptid YY) den Glukosestoffwechsel, die Sättigungsregulation und die Insulinantwort beeinflussen.

Außerdem wirken sich Ballaststoffe meist positiv auf die Verdauung aus. Hier ist es allerdings wichtig, die Zufuhr nur langsam und behutsam zu steigern, damit es nicht zu einer gesteigerten Gasproduktion im Darm kommt. Vor allem bei empfindlicher Verdauung sollte die Menge nur schrittweise erhöht werden, damit sich Darm und Mikrobiom anpassen können.

Fettqualität im Fokus

Bei vielen KlientInnen besteht immer noch die Vorstellung, Fett sei grundsätzlich problematisch oder müsse möglichst stark reduziert werden. Hier ist es wichtig aufzuklären: Fett hat nicht nur eine hohe Energiedichte, es ist ein lebenswichtiger Nährstoff mit vielen zentralen Aufgaben. Fette sind beispielsweise Bestandteil von Zellmembranen, sind an der Bildung von Hormonen beteiligt, ermöglichen die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und sorgen dafür, dass uns Nahrung schmeckt und nachhaltig sättigt.

Diese Sättigung entsteht über mehrere Mechanismen: Fett verlangsamt unter anderem die Magenentleerung, aktiviert nervale Rückkopplungen zwischen Darm und Magen und regt im Dünndarm die Ausschüttung von Sättigungshormonen wie CCK (Cholezystokinin) und GLP-1 an. Dadurch wird der Speisebrei langsamer weitergegeben, die Verdauung zeitlich gestreckt und das Sättigungsgefühl kann länger anhalten.

Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass jede Fettquelle automatisch gleich gut ist. Für die ernährungsphysiologische Bewertung ist deshalb vor allem die Fettqualität relevant: Welche Fettsäuren überwiegen, aus welchen Lebensmitteln stammen sie und wie sieht das Gesamt-Ernährungsmuster aus?

Besonders günstig sind einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie beispielsweise in Olivenöl, Nüssen, Samen, Avocado und fettem Seefisch vorkommen. Vor allem mit den Omega-3-Fettsäuren DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure), sind viele Menschen mangelhaft versorgt. Das ist relevant, da diese Fettsäuren an entzündungsregulierenden Prozessen beteiligt sind und dem Körper helfen können, Entzündungen nicht nur zu begrenzen, sondern auch wieder aktiv aufzulösen. Außerdem sind EPA und DHA wichtige Bestandteile von Zellmembranen und beeinflussen deren Fluidität, Signalweiterleitung und Funktion. Besonders relevant ist dies für DHA-reiche Gewebe wie Retina, Gehirn und Nervensystem. Darüber hinaus sind EPA und DHA auch für die Herz-Kreislauf-Gesundheit bedeutsam, da sie unter anderem den Triglyceridstoffwechsel, die Gefäßfunktion, die Blutdruckregulation und die Thrombozytenfunktion beeinflussen können.

Eine ausreichende Omega-3-Versorgung sollte daher gezielt sichergestellt werden. Fetter Fisch wie Lachs, Hering, Sardine oder Makrele liefert die wertvollen langkettigen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA. Wer keinen oder nur selten fetten Fisch isst, kann die Versorgung über hochwertiges Algen- oder Fischöl unterstützen. Die Versorgung wird aus pflanzlichen Quellen wie Rapsöl, Leinöl und Walnüssen nicht ausreichend abgedeckt.

Omega-3 in der Schwangerschaft

Besonders bedeutsam wird die Omega-3-Versorgung in der Schwangerschaft. Hier spielt vor allem DHA eine zentrale Rolle, da es für die normale Entwicklung von Gehirn, Nervensystem und Augen des Kindes benötigt wird. Besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel steigt der Bedarf, weil sich DHA im kindlichen Gehirn und in der Retina in dieser Phase stark anreichert. Deshalb sollte die Versorgung nicht dem Zufall überlassen werden – insbesondere dann nicht, wenn wenig oder kein fetter Fisch gegessen wird.

Als Basisorientierung werden häufig mindestens 250 mg EPA und DHA pro Tag genannt. Für eine wirklich gute Versorgung reichen diese Mindestmengen jedoch nicht bei allen Menschen aus. Je nach Ausgangswert, Ernährung, Fischverzehr und individuellem Bedarf können Mengen von etwa 500–2000 mg EPA und DHA täglich sinnvoll sein. Besonders zum Ausgleich eines Defizits sind oft vorübergehend höhere Dosierungen nötig. Deshalb ist es sinnvoll, die individuelle Einnahmemenge über den Omega-3-Index zu prüfen und die Dosierung gezielt anzupassen.

Außerdem gibt es Hinweise, dass eine gute mütterliche Versorgung mit EPA und DHA neben einem reduzierten Frühgeburtsrisiko die Neigung zu IgE-assoziierten Erkrankungen beispielsweise Allergien, Ekzemen und Asthma beim Kind senken kann. In einer kontrollierten Studie zeigte eine hochdosierte Supplementation mit über 2 g Omega-3-Fettsäuren pro Tag während der Schwangerschaft ein fast halbiertes Asthmarisiko beim Kind; besonders ausgeprägt war der Effekt bei Frauen mit niedrigen EPA- und DHA-Ausgangswerten. Solche Dosierungen sollten jedoch nicht pauschal empfohlen, sondern individuell und fachlich begleitet eingesetzt werden. Außerdem kann es sinnvoll sein, hohe Dosierungen im späten dritten Trimenon individuell zu prüfen. Es sind weitere Daten notwendig, inwieweit hohe Omega-3 Dosierungen auf erwünschte geburtsauslösende Entzündungs-/Prostaglandinprozesse Einfluss nehmen können.

Omega-6-Fettsäuren differenziert betrachten

Neben den Omega-3-Fettsäuren erfüllen auch Omega-6-Fettsäuren wichtige Funktionen, unter anderem als Bestandteil von Zellmembranen und als Ausgangsstoffe für verschiedene Signal- und Entzündungsmediatoren. Die in unserer westlich geprägten Ernährung am häufigsten vorkommende Omega-6-Fettsäure ist die essentielle Linolsäure (LA). Sie kommt vor allem in Pflanzenölen wie Sonnenblumen-, Distel-, Maiskeim- oder Sojaöl sowie in Nüssen, Samen und Kernen vor.

Ungünstig ist, dass die Zufuhr von Linolsäure meist deutlich höher ist, als die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren. Dazu tragen nicht nur Pflanzenöle selbst bei, sondern auch zahlreiche daraus hergestellte Lebensmittel wie Backwaren, Snacks, Fertigprodukte, Dressings, Saucen und Fast Food. Nüsse, Samen und Kerne sollten deshalb jedoch nicht pauschal reduziert werden: Sie liefern neben Omega-6-Fettsäuren auch viele Ballaststoffe, pflanzliches Protein, Mineralstoffe, Vitamin E und sekundäre Pflanzenstoffe.

Omega-6-Fettsäuren sind außerdem entgegen einer häufigen Annahme nicht per se entzündungsfördernd. Linolsäure kann über mehrere enzymatische Schritte zu Arachidonsäure (AA) umgewandelt werden. Aus Arachidonsäure entstehen verschiedene Lipidmediatoren, von denen einige proinflammatorisch wirken, andere jedoch regulatorische oder entzündungsauflösende Funktionen besitzen. Eine höhere Linolsäurezufuhr führt beim Menschen nicht automatisch zu höheren Arachidonsäurespiegeln oder zu einer Zunahme systemischer Entzündungsmarker. Aktuelle Humanstudien sprechen daher gegen die vereinfachte Gleichung „viel Omega-6 = viel Entzündung“.

Relevant ist allerdings die Konkurrenz zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren im Stoffwechsel: Linolsäure und die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA) nutzen teilweise dieselben Enzyme für ihre weitere Umwandlung. Eine hohe Linolsäurezufuhr kann dadurch die ohnehin begrenzte Umwandlung von ALA zu EPA und DHA negativ beeinflussen. Entscheidend ist jedoch weniger, Omega-6 möglichst stark zu reduzieren, sondern vielmehr, eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren sicherzustellen – insbesondere mit EPA und DHA.

Gesättigte Fettsäuren

Gesättigte Fettsäuren werden ebenfalls häufig pauschal negativ bewertet. Sie kommen natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor und sind nicht automatisch „schlecht“.

Es macht einen Unterschied, in welcher Lebensmittelmatrix gesättigte Fettsäuren aufgenommen werden. Stark verarbeitete Wurstwaren, Fast Food oder industrielle Backwaren sind ernährungsphysiologisch anders zu bewerten als wenig verarbeitete Lebensmittel wie Milchprodukte, Eier oder unverarbeitetes Fleisch, da neben der Fettsäurezusammensetzung auch weitere Nährstoffe, Verarbeitung und das gesamte Ernährungsmuster eine Rolle spielen.
Wie so oft: entscheidend sind Menge, Lebensmittelqualität und -Verarbeitung sowie der gesamte Ernährungskontext.

Insbesondere bei tierischen Produkten sollte unbedingt darauf geachtet werden, hochwertige Quellen zu wählen – zum Beispiel Heumilchprodukte sowie Fleisch aus Bio- oder Weidetierhaltung. Heumilch ist ein EU-weit geschützter Begriff und garantiert eine silagefreie Fütterung mit Gras, Kräutern und Heu. Heumilch enthält deshalb im Durchschnitt beispielsweise rund doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren wie konventionelle Standardmilch.

Kritische Fettquellen

Kritisch zu bewerten sind vor allem stark bzw. mehrfach erhitzte Fette, industrielle Transfettsäuren und stark verarbeitete, energiedichte Produkte. Dazu zählen beispielsweise Fast-Food-Produkte mit teils stark erhitzten Frittierfetten wie Pommes, Chips, frittierte Snacks, Donuts, Berliner aber auch Croissants, Blätterteiggebäck, Kekse, Fertigbackwaren und stark verarbeitete Tiefkühlprodukte wie Fertigpizza und viele Instantgerichte.

Problematisch ist dabei der gesamte Lebensmittelkontext: Diese Produkte enthalten oft eine Kombination aus raffinierten, stark erhitzten oder mehrfach verwendeten Fetten, Weißmehl, Zucker, viel Salz und Zusatzstoffen – gleichzeitig aber wenig Ballaststoffe, Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Dadurch sättigen sie meist schlechter, fördern eine hohe Energieaufnahme und liefern kaum vorteilhafte Inhaltsstoffe.

Auch Samenöle sorgen immer wieder für Diskussionen und werden teils sogar als „toxisch“ bezeichnet. Deshalb schauen wir uns die Debatte in einem separaten Mythos-Check genauer an: Sind Samenöle wirklich problematisch – oder greift diese Bewertung zu kurz?

Zusammenfassung

Kurz gesagt: unterschiedliche Fettsäuren erfüllen im Körper unterschiedliche Funktionen. Es ist wenig sinnvoll, pauschal von „guten“ oder „schlechten“ Fettsäuren zu sprechen, sondern vielmehr von schlechten und guten Fettsäure-Balancen! Ausreichend Omega-3-Fettsäuren, hochwertige einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, ein bewusster Umgang mit gesättigten Fettsäuren und möglichst wenig stark verarbeitete Fettquellen wie z.B. frittiertes Fast Food.

Für die Praxis bedeutet das: Nicht eine einzelne Fettsäure an sich ist entscheidend, sondern die Qualität, Herkunft, Verarbeitung und Zusammensetzung der Lebensmittel sowie die ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren – insbesondere EPA und DHA. Genau hier liegt in der Ernährungsberatung ein wichtiger Hebel – sowohl für die Entzündungsregulation als auch für Zellgesundheit, Hormonbalance und langfristige Stoffwechselgesundheit.

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Studie zur Allergieprävention und Omega-3-Fettsäuren:
Warstedt, K. et al. (2016): ‘High levels of omega-3 fatty acids in milk from omega-3 fatty acid-supplemented mothers are related to less immunoglobulin E-associated disease in infancy’, Acta Paediatrica, 105(11), pp. 1337–1347.

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