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Angststörungen & Panikattacken – Körperliche Ursachen

Angststörungen und Panikattacken kommen oft gefühlt „aus dem Nichts“, haben aber enorme Auswirkungen auf denjenigen der es erlebt und auch sein nahes Umfeld. Bei der Behandlung fühlen sich die Patienten oft allein gelassen.

Meist wird eine medikamentöse Therapie (v.a. mit Antidepressiva) vorgeschlagen, begleitend zu einer psychotherapeutischen Behandlung. Besonders die Kognitive Verhaltenstherapie eignet sich gut um Coping- Strategien zu entwickeln für den Umgang mit den Ängsten.

Meiner Meinung nach wird da aber ein ganz entscheidender Punkt nicht beachtet- nämlich das wir ein Zusammenspiel aus Körper, Geist und Seele sind. Mit den Antidepressiva wird eventuell ein Unterdrücken der Angst / Panik erreicht, aber körperliche Ursachen und Auswirkungen werden nicht behandelt.

Dabei ist bekannt, dass es eine Vielzahl an körperlichen Auslösern für Panikattacken und Angststörungen gibt. Diese sollten, meiner Meinung nach, immer mit bedacht und behandelt werden!

Nun gehe ich im Folgenden mal auf einige der Ursachen genauer ein:

Mangel / Überschuss an Neurotransmittern

Neurotransmitter sind unser Nerven-Botenstoffe. Sei leiten in unglaublicher Geschwindigkeit nervliche Reize weiter. Sowohl ein „zu viel“ als auch ein Mangel an gewissen Neurotransmittern kann zu Angststörungen und Panikattacken führen. Vermutet wird, dass besonders ein Ungleichgewicht von Serotonin, Noradrenalin und GABA (Gamma-Amino-Buttersäure) eine Rolle spielt.

Das Serotonin-System wurde im Bezug auf Ängste schon reichlich untersucht, denn ein Zusammenhang steht fest. Wie allerdings genau, dass ist noch nicht gänzlich geklärt. Jedenfalls beobachtet man, dass ein verminderter Serotonin Spiegel bei vielen Menschen Angst und Panik zur Folge haben kann (neben anderen psychischen Beschwerden, wie Depressionen). Diese Erkenntnis macht man sich in der Schulmedizin zu nutze und verabreicht „Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer“, welche den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen. Leider führt das allerdings nur bei wenigen Patienten wirklich zum gewünschten Erfolg und mögliche Nebenwirkungen gibt es viele.

Gaba ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter unseres Gehirns und ein Mangel an diesem kann eine Überreizung der Nerven zu Folge haben. Schlaflosigkeit ist z.B. die Folge und auch ein erhöhter Cortisolspiegel. Daraus resultieren können auch Angst und Panik. Auch hier gibt es schulmedizinische Medikamente- die „Benzodiazepine“, welche das GABA System positiv beeinflussen sollen. Sie sollen angstlösend, beruhigend, muskelentspannend und auch schlaffördernd wirken. Allerdings haben auch diese teilweise massive Nebenwirkungen und können abhängig machen.(Benzodiazepine gelten weltweit als die Medikamente mit der höchsten Missbrauchsrate)

  • Neben diesen zwei Systemen spielen auch Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, Endorphin u.a. eine entscheidende Rolle, wenn es um unsere psychische Verfassung, unser Wohlbefinden und auch Angststörungen geht.

Mikronährstoffmangel

Nährstoffe sind die Bausubstanz unseres Körpers. Jede Zelle, auch die Nervenzellen benötigen etwas davon, sonst verkümmern sie oder sind in ihrer Funktion eingeschränkt. 

Durch minderwertige Lebensmittel und ungesunden Lifestyle haben leider doch schon einige Menschen einen Mangel an gewissen Mikronährstoffen. Eine besondere Rolle bei der Entstehung von Angststörungen spielen folgende Nährstoffe:

Das die B-Vitamine wichtig für „unser Gehirn“ sind, wissen wohl die meisten. Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen können Folge eines Mangels sein. Besonders das Vitamin B1 spielt eine große Rolle bei Angststörungen, denn es hilft dabei unsere Nervenzellen mit Energie zu versorgen. Zudem kann ein Mangel an Vit. B1 das Laktat in unserem Körper erhöhen, was wiederum Angst förden kann.

Vitamin D, ist eigentlich gar kein Vitamin sondern ein Hormon bzw. eine Hormonvorstufe. In den letzten Jahren wurde es gründlich erforscht und es wurde auch immer mehr bekannt über die Wirkweise auf unsere Psyche. Auch ein Vit. D Mangel wird mit Angststörungen in Verbindung gebracht.

Magnesium ist als „Antistress-Mineral“ bekannt, denn es kann die Freisetzung von Cortisol & Adrenalin reduzieren, hat einen stabilisierenden Effekt und dämpft die Erregungsweiterleitung der Nerven. Bei einer nervlichen Übererregbarkeit entstehen Krämpfe (z.B. die typischen Muskelkrämpfe in den Waden, oder auch Periodenschmerzen) aber auch Panikattacken können Folge sein.

Zink ist wichtig stark beteiligt an der Bildung diverser Neurotransmitter wie GABA, Glycin und Glutamat. Durch einen Mangel können diese Transmittersysteme nicht mehr richtig funktionieren, was auch zu Angststörungen führen kann.

Selen ist einerseits wichtig um unsere Zellen vor oxidativen Stress zu schützen und zudem ist es unerlässlich für unsere normale Schilddrüsenfunktion. ← Wo wir auch schon beim nächsten Punkt wären…

Die Schilddrüsenfunktion

Ja, auch eine Beeinträchtigung der Schilddrüse kann zu Angst und Panikattacken führen. Die Schilddrüse bildet unsere „Aktivtiätshormone T3 und T4. Bei einer Überfunktion wird zu viel davon gebildet, sodass unser Körper in einem permanenten Alarmzustand ist. Folgen davon können vermehrtes Schwitzen, Gewichtsabnahme, Haarausfall, Zyklusstörungen, erhöhter Puls, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Nervösität und auch Angst und Panik sein. Auch bei der Autoimmunkrankheit Hashimoto kann es zu diesen Symptomen kommen, oder wenn der Patient zwar eigentlich eine Schilddrüsenunterfunktion hat, aber die eingenommenen Medikamente (z.B. L-Thyroxin) überdosiert sind.

Darmprobleme

Wir kommen immer wieder auf den Darm zurück, denn dieses so unwichtig erscheinende Organ, ist einfach doch so unglaublich wichtig für unsere Gesundheit. Zunächst kann eine gestörte Darmflora, ein Leaky-Gut, eine Bauchspeicheldrüsenschwäche, ein Gallensäureverlustsyndrom usw. zu einer reduzierten Aufnahme von Mikronährstoffen führen. Was ein Mikronährstoffmangel bedeuten kann, habe ich ja oben schon beschrieben.

Zudem ist es so, dass Entzündungen im Darm natürlich vom Körper versucht werden zu heilen. Dafür benötigt er wieder vermehrte Mikronährstoffe und auch Aminosäuren. Um diese Aminosäuren zu bilden wird eine weitere Aminosäure als Vorstufe genutzt und zwar das L-Tryptophan. Dieses benötigt allerdings unser Körper auch für die Bildung von Serotonin und Melatonin, dessen Mangel wiederum Angststörungen begünstigen kann. Also wie man sieht ist der Körper ein so vernetztes, ausgeklügeltes System, wo eins auf das andere aufbaut und wirklich ganzheitlich betrachtet werden muss.

Eine Sache noch die ich beim Thema Darm nicht unerwähnt lassen möchte ist das „Roemheld-Syndrom“. Dieses wird durch eine übermäßige Gasansammlung im Magen-Darm-Trakt ausgelöst. Die Symptome sind Brustenge, Herzbeschwerden, Atemnot, Hitzewallungen, Schwindel, Angstzustände und Schmerzen im Brustbereich. Ganz ähnlich also zu sowohl einem Herzinfarkt, als auch einer Panikattacke. Wichtig ist hier also, dass genau differenziert wird, was von den dreien nun wirklich vorliegt.

Nebennierenschwäche

Unsere Nebennieren produzieren sowohl die Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin, als auch das Hormon Cortisol. Diese sind ausschlaggebend für unsere psychischen und körperlichen Reaktionen auf Stresssituationen. Nun kann sowohl ein erhöhtes Cortisol als auch Adrenalin zu einer Panikattacke führen. Wiederum werden bei Angst natürlich auch vermehrt genau diese Hormone ausgeschüttet. Ein Teufelskreis. Bei einer anfänglichen Nebennierenschwäche ist es typisch einen erhöhten Cortisolspiegel zu haben. Dies tritt leider, durch unseren stressigen Alltag und ständige Reizüberflutung, recht häufig auf. Genau wie eine Adrenalindominanz, die recht ähnliches bewirken kann.

Blutzuckerschwankungen

Du bist nicht du wenn du hungrig bist“ – kannst du dich mit diesem bekannten Werbesatz identifizieren? Die meisten kennen das Gefühl, wenn man ein paar Stunden nichts gegessen hat und dann stark gereizt wird evtl. zittig, müde oder überreizt. Unser Blutzucker sollte immer relativ konstant sein. Auch hier spielt uns unser stressiger Alltag, bei dem mal so zwischen Tür und Angel schnell ein Brötchen gegessen wird, übel mit. Kommen wir nämlich in das oben beschriebene Hunger-Stadium, bekommen wir Heißhunger und dann wird meist schnell nach etwas süßen gegriffen. Diese Schwankungen verursachen Stress- also eine vermehrte Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol und was das bewirkt habe ich oben beschrieben.

Sexualhormone

Selbst die Sexualhormone sind nicht unbeteiligt an der Entstehung von Angststörungen. Progesteron, welches unsere zweite Zyklushälfte dominiert, wird auch „Wohlfühlhormon“ genannt, da es beruhigend wirkt.

Wenn Frauen an einem Progesteronmangel (Gelbkörperschwäche, Östrogendominanz) leiden, kommt es häufig zu Stimmungsschwankungen, PMS-Symptomen, verkürzten Zyklen, Schmierblutungen und bei schwerwiegenden Fällen, können eben auch Angst und Panik die Folge sein. Besonders ist hieran zu denken, wenn die Beschwerden Zyklusabhängig auftreten.

Medikamente

Medikamente sind eine weitere Ursache für Angststörungen. Bei gewissen Medikamenten verändert sich der Adrenalin- / Cortisolhaushalt, bei anderen wird die Aufnahme von Mikronährstoffen und Aminosäuren gehemmt, andere erhöhen die Herzfrequenz usw. Also viele Medikamente können Angst als Nebenwirkung haben- schaut mal auf den Beipackzettel.

Die Anti-Baby Pille

Auch wenn die Pille eigentlich zu den Medikamenten gehört, möchte ich sie hier nochmal hervorheben. Durch den Eingriff in den körpereigenen Sexualhormonhaushalt, durch ein künstliches erhöhen des Cortisolspiegels und durch den vermehrten Verbrauch von Mikronährstoffen, ist die Pille ein schwerwiegender Faktor, wenn es um die Ursachensuche von Angststörungen geht.

Die körperlichen Ursachen und Auslöser von Angststörungen und Panikattacken sind also vielfältig. Eine psychotherapeutische Behandlung bei diesen Beschwerden ist sicherlich wichtig, mir liegt es aber daran den Menschen als ein Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele wahrzunehmen. Wenn nun ein Antidepressivum oder andere Psychopharmaka genutzt werden, ist dies lediglich eine Möglichkeit die Symptome auszublenden. Bitte schaut auch nach den körperlichen Ursachen und behandelt diese! Dies gilt überings nicht nur für Angststörungen sondern auch für Depressionen, Burnout und weiteren „psychischen Erkrankungen“.

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Über den Autor

Mandy ist Heilpraktikerin, Dipl. Kunsttherapeutin und Mama einer kleinen Tochter. Die Schwerpunkte in ihrer Praxis für Natur- & Frauenheilkunde (Werl, NRW) sind Darmgesundheit, chronische Erschöpfung und natürlich die Begleitung von Frauen in jeder Lebensphase- von den ersten Zyklusbeschwerden in der Pubertät, über die Kinderwunsch- und Schwangerschaftszeit bis über die Wechseljahre hinaus.

Hier, bei Frauengeflüster, ist sie unsere Expertin für die Traditionell Chinesische Medizin, sowie für alles rund um die Hormone und Kinderwunsch.

www.naturheilpraxis-geppert.de

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