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Wie viel PMS ist noch normal?

Frau liegt mit Periodenschmerzen auf dem Sofa

Jeden Monat aufs neue geht es los.. Die eine verspürt verstärkten Heißhunger, der anderen spannt die Brust und eine weitere fühlt sich nur noch gereizt und nicht mehr wohl in ihrer Haut, als Krönung folgen dann noch Krämpfe und unerträgliche Schmerzen wenn es los geht.

Die meisten Frauen wissen jetzt wohl schon wovon ich rede, denn vor PMS und Menstruationsbeschwerden bleiben nur wenige Frauen komplett verschont. Doch schwierig wird es immer dann, wenn beurteilt werden soll, was denn nun noch als normal und was schon als krankhaft oder behandlungsbedürftig gilt.

Klar ist, natürlich alle Symptome die uns schwerwiegend im Alltag einschränken, können nicht mehr als normal durchgehen, auch wenn einem oft vermittelt wird, dass man doch einfach seine “Frau” stehen soll und es schließlich “nur” die Menstruation sei.

Aber was gilt Hierbei wirklich als Normal?

Uns wird häufig vermittelt, dass man, im Bestfall, ein rund um die Uhr konstant funktionierender und gut gelaunter Mensch sein soll. Doch gerade wir Frauen sind rhythmische Wesen die stark durch ihren natürlichen Zyklus bestimmt werden. Somit können wir auch nicht konstant über die ganze Zeit die gleichen Leistungen erbringen, auch wenn wir das häufig sogar von uns selbst erwarten.

Unser Zyklus ist in verschiedene Phasen unterteilt: die Menstruation die in der ersten Zyklushälfte liegt, der Eisprung, der die erste und zweite Zyklushälfte voneinander trennt und dann die zweite Zyklushälfte in der wir gerne, die bereits genannte PMS Symptomatik entwickeln. PMS – also das prämenstruelle Syndrom (prä = vor) – bedeutet also Symptome, die sich vor der Menstruation zeigen.

Jede dieser Phasen ist durch bestimmte Hormon-Gipfel & -Täler gekennzeichnet, die unseren Zyklus aber auch unser Wesen beeinflussen.

Merke

Zu Beginn des Zyklus, der mit dem ersten Tag unserer Menstruation startet, befinden wir uns noch in einem Hormon-Tal – da durch den Abfall der Hormone die Menstruation ausgelöst wurde.  Mit der Menstruation steigt nun aber auch wieder die Hormonproduktion an, die dann Richtung Eisprung richtig Fahrt aufnimmt und steil ansteigt.

Während dieser Zeit sind wir kontaktfreudig, motiviert und sind voller Tatendrang. Es macht also durchaus Sinn, den Start neuer Projekte, wichtige Aufgaben etc. in diese Phase zu legen, um die Energie unseres Zyklus und unserer Hormone direkt mit nutzen zu können.

Gehen wir nun auf den Eisprung zu, bildet sich auch der erste Hormongipfel der ebenfalls Auswirkungen auf uns und besonders unser Liebesleben hat. Denn gerade hier machen uns die Hormone besonders flirty und regen auch unsere Libido an – kein Wunder, während dem Eisprung, ist das Ziel ja schließlich Schwanger zu werden – wäre da irgendwie kontraproduktiv, wenn die Libido in den Keller sinken würde.

Nach dem Eisprung kommt nun aber bei uns Frauen die Phase, in der wir uns meist früher oder später nicht mehr ganz so wohl fühlen und die Auswirkungen des nächsten Hormon-Gipfels und den anschließend Abfall der Hormone spüren. 

Die Frage dabei ist aber, was sollten wir unserem Körper in dieser Zeit zugestehen?

Das Progesteron das hier vorherrschend wirkt, macht uns ruhiger und soll uns und unseren Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereiten. Deshalb sind wir in dieser Zeit auch emotionaler, bleiben lieber für uns und machen es uns gemütlich.

Setzt man sich  nun aber genau in dieser Zeit unter Druck, da Stress auf der Arbeit ist, die Freundinnen auch mal wieder etwas machen möchten oder wir uns selbst einfach nicht diese ruhigere Zeit gönnen wollen, kann das die PMS Symptome noch verstärken.

Wenn ich also vor meiner Menstruation unter verschiedenen Beschwerden leide, sollte ich mir zu aller Erst Gedanken machen, ob ich hier vielleicht nicht selbst schon etwas ändern könnte. Vielen Frauen fällt es häufig schwer, sich genau jetzt, in dieser Phase die Ruhe zu gönnen, die eigentlich so dringend nötig wäre.

Genau an diesen Punkt sollten wir uns verinnerlichen, dass diese Rhythmik ein Teil von uns ist, der nicht als “Gegner” gesehen werden, sondern mit dem man in Einklang leben sollte. Genau dann wird nämlich klar, dass die Stimmungsschwankungen häufig durch unseren inneren “Kampf” gegen unseren Zyklus und das eigentliche Bedürfnis nach Ruhe in dieser Phase entstehen.

Sind wir also etwas gereizt während ein riesigen Berg Akten vor uns liegt, ist das kein großes Wunder, wo doch unser Körper eigentlich eher nach einem warmen Bad und gutem Buch in unseren Händen schreit. Die PMS-Symptomatik ist also nicht immer ein Zeichen dafür dass unsere Hormone aus dem Gleichgewicht sind, sondern ganz häufig ein Warnzeichen das wir zu viel Druck und Stress um uns herum haben.

Zeitweise kann das natürlich jedem mal so gehen, da sich auch nicht jedes Problem oder Ereignis vertagen lässt. Setzen wir uns allerdings bewusst oder unbewusst und jedes Mal aufs Neue in dieser Zeit unter Druck, kann gerade die PMS  nicht mehr nur ein Warnzeichen sein, sondern auch als Symptom von hormonellen Ungleichgewichten auftreten, die gerade durch Stress ausgelöst und verstärkt werden können.

Treten meine PMS Beschwerden also besonders nach einem sehr stressigen Tag auf, während vollgepackten Wochenplänen oder Diskussionen mit dem Partner, ist das meist eine ganze normale Reaktion unseres Körpers um zu sagen, mach mal langsamer! 

Sind die Beschwerden aber dauerhaft oder sehr stark, mit Depressionen, Wassereinlagerungen etc. ist das meist ein Zeichen, dass die Hormone bereits aus dem Gleichgewicht geraten sind.

Merke

Ähnlich verhält es sich auch während der Menstruation, gerade an den ersten beiden Tagen, muss unser Körper einiges unter einen Hut bekommen. Vor der Menstruation fallen, wie bereits erwähnt, die Hormone deutlich ab, um das Signal zu setzen “nicht schwanger, die Schleimhäute können raus” wodurch dann die Menstruation in Gang gesetzt wird. Auf diesen Hormon”mangel” reagieren wir aber häufig erst recht mit Gereiztheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen oder auch mit anderen Symptomen. Hier gilt auch, sich so gut es geht Ruhe zu gönnen und sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Tun wir das doch, treten die Beschwerden erst recht und meist noch schlimmer auf.

Viele leiden dabei auch unter starken Krämpfen und Schmerzen. Sind diese so stark, dass man Schmerzmittel einnehmen muss oder sogar gar nichts mehr im Alltag tun kann, ist das definitiv nicht mehr der normale Schmerz. Auch hier sind meist hormonelle Dysbalancen eine Ursache. Es können aber auch andere Erkrankungen zugrunde liegen, die dabei abgeklärt werden sollten. 

Spüren wir hingegen einfach, dass unser Unterleib arbeitet, oder wir nicht so gut drauf sind wie sonst, ist das eine normaler Ablauf unseres Körpers dem wir ihm auch zugestehen sollten.

Es liegt häufig also an uns selbst und dem Umgang mit unserem Körper, wie sich solcherlei Symptome entwickeln können. Treten plötzlich PMS Symptome auf oder die Menstruationsschmerzen sind deutlich stärker als gewohnt, sollte uns das einen Anstoß zum Nachdenken geben, ob momentan manche Umstände vielleicht nicht ideal für uns sind. 

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Über den Autor

Sina ist Heilpraktikerin und Ernährungsberaterin aus Freiburg St. Georgen (BW). In ihrer Praxis für Natur- & Frauenheilkunde  liegen ihre Schwerpunkte in den Bereichen Frauenheilkunde, Darmgesundheit und Hormonbalance.

Sie begleitet ihre Patienten bei chronischer Erschöpfung, Schilddrüsenproblematiken oder Beschwerden rund um den Verdauungstrakt. Als ganzheitliche Therapeutin für Frauenheilkunde begleitet sie junge Mädchen bei Menstruationsbeschwerden, berät in den Bereichen Menstruationshygiene & Verhütung, begleitet Frauen bei ihrem Kinderwunsch und hilft bei Beschwerden in den Wechseljahren.

Hier, bei Frauengeflüster ist sie unsere Expertin für Ernährung, Hormonbalance und neue Rezeptkreationen.

www.naturheilpraxis-hellinger.de

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