Ist eine vegane Ernährung bei Kindern möglich?

Die vegane Ernährung für Kinder – aber auch für Schwangere und Stillende – ist heutzutage immer noch ein sehr heiß diskutiertes Thema und gerät öfter mal in die Kritik der Medien. Gerade Vegan-Neulinge und Mamas, die ihre Kinder gerne vegan erziehen möchten, verunsichern Zeitungsartikel, in denen es heißt „Kind durch vegane Ernährung mangelernährt“ oder “Eine vegane Ernährung für Kinder ist gefährlich“. Natürlich wollen Medien die Aufmerksamkeit immer auf sich ziehen, indem sie besonders dramatisch klingende Titel wählen und dadurch neue Leser gewinnen. Wenn man sich solche Artikel aber genauer anschaut und die genannten Aussagen hinterfragt, wird oft deutlich, dass es sich entweder um unwissende Eltern handelt oder Kinder keine Nahrungsergänzungsmittel bekommen haben, die eigentlich notwendig waren.

Ja, eine vegane Ernährung für Kinder kann ein Risiko darstellen, aber nur, wenn die Eltern nicht gut genug über kritische Nährstoffe, eine ausgewogene Ernährung und bestimmte Supplemente informiert sind. Denn bereits große Ernährungsgesellschaften wie die Academy of Nutrition and Dietetics (USA), die British Nutrition Foundation (England) und viele weitere geben ihre Position bekannt, indem sie sagen, dass eine gut geplante, vegane Ernährung in jeder Lebenslage gesund und bedarfsdeckend sein kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält sich dahingehend etwas zurück und empfiehlt eine vegane Ernährung für Kinder, Schwangere, Stillende und Senioren (noch) nicht. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Eltern gut über die Ernährung ihrer Kinder informiert sind und bei veganer Ernährung ist das umso wichtiger. Die DGE kann nicht von allen Bürgern verlangen, dass sie ausreichend gut darüber Bescheid wissen, was ihre Kinder brauchen und was essenziell für das Wachstum ist. Es setzt nämlich eine gewisse Grundkenntnis voraus, wenn man sich dafür entscheidet, sich und seine Familie vegan zu ernähren.

Ob eine vegane Ernährung bei Kindern nun überhaupt machbar ist? Darauf kann ich nur mit einem klaren „Ja“ antworten. Eine vegane Ernährung bei Kindern, die gut geplant ist, in der alle kritischen Nährstoffe beachtet werden und Nahrungsergänzungsmittel auf dem Plan stehen, stellt kein Risiko für eine Mangelernährung dar. Zudem liefert ein jährliches Blutbild Auskunft darüber, wie es um die Nährstoffversorgung des Kindes steht und worauf man gegebenenfalls besonders achten sollte. Bei vegan ernährten Kindern konnte auch beobachtet werden, dass diese einen geringeren Körperfettanteil aufweisen, eine bessere Herzgesundheit haben und teilweise sogar besser mit einigen Nährstoffen versorgt waren als mischköstlich ernährte Kinder.

Die Ernährung des Kindes sollte bunt und abwechslungsreich sein

Die Ernährung des Kindes sollte möglichst ausgewogen, bunt und abwechslungsreich sein. Das bedeutet, dass vollwertige Mahlzeiten mit Blick auf die kritischen Nährstoffe, auf dem Speiseplan stehen sollten. Eine Mahlzeit sollte daher die Komponenten Gemüse oder Obst, Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse oder Samen, sowie pflanzliche Öle beinhalten. Werden diese Dinge beachtet, wird ein sehr großer Teil der kritischen Nährstoffe abgedeckt. Fünfmal Gemüse und Obst, dreimal Vollkorngetreide, einmal Hülsenfrüchte und zweimal Nüsse am Tag ist hier die goldene Regel.

Wie steht es um Nahrungsergänzungsmittel?

Vitamin B12
Vitamin B12 muss in der veganen Ernährung zwingend supplementiert werden, da es über kein pflanzliches Lebensmittel aufgenommen werden kann. Da Vitamin B12 essenziell für die Funktion des Nervensystems ist, sollte es keinesfalls vernachlässigt werden. Kinder, die vegan ernährt werden, sollten B12 mit dem Beginn der Beikost als Nahrungsergänzungsmittel bekommen. Zuvor bekommt das Baby ausreichend B12 über die Muttermilch, sofern diese gut versorgt ist oder über die Pre-Nahrung.

Vitamin D
Vitamin D wird vom Kinderarzt bereits ab der Geburt oder spätestens ab dem 10. Lebenstag verschrieben. Um einer Rachitis vorzubeugen und die Knochengesundheit zu erhalten, sollten besonders Säuglinge ausreichend Vitamin D verabreicht bekommen. Vitamin D sollte außerdem unabhängig von der Ernährungsform supplementiert werden.

Omega 3
Omega 3 kommt hauptsächlich nur in fettem Seefisch wie Lachs oder Makrele vor. Da diese Omega-3-Quellen in der veganen Ernährung aber wegfallen und Omega 3 enorm wichtig für die Gehirnentwicklung und Herzgesundheit ist, sollte auch hier ein entsprechendes Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden. Es reicht aus, wenn das Omega 3 beispielsweise in Form eines Algenöls mit Beginn der Beikost gegeben wird. Außerdem sollten auch Mischköstler, die kein oder nur selten Fisch essen, auf ein geeignetes Supplement zurückgreifen.

Jod
Bei Jod gibt es zwei Möglichkeiten, um die Jodversorgung sicherzustellen. Entweder man entscheidet sich beim Sprössling für die Gabe von Algen oder man verwendet ein niedrig dosiertes Supplement. Beim Supplement besteht der Vorteil, dass es genau dosiert werden kann, Algen können teilweise recht hohe Jod-Schwankungen aufweisen. Auf die Jodversorgung sollte man ab der dritten Beikostmahlzeit achten.

Selen
Bei Selen verhält es sich ähnlich wie beim Jod. Entweder man stellt die Selenversorgung über Paranüsse sicher oder man verwendet ebenfalls ein niedrig dosiertes Nahrungsergänzungsmittel. Der Nachteil von Paranüssen besteht auch in der Schwankung des Selengehalts pro Nuss. Selen sollte dem Baby auch ab der dritten Beikostmahlzeit gegeben werden.

Alle weiteren kritischen Nährstoffe in der veganen Ernährung können in der Regel ganz einfach über eine ausgewogene und naturbelassene Ernährung abgedeckt werden. Eisen, Zink, Kalzium, Protein und Vitamin B2 befinden sich in großen Mengen auch in pflanzlichen Lebensmitteln. Wer darauf achtet, dass sein Kind Mahlzeiten bekommt, die die oben genannten Nährstoffe enthalten, kann einen Mangel sehr gut verhindern. Wie man also sieht, kann eine vegane Ernährung auch bereits für die Jüngsten funktionieren. Wer hier immer noch Unsicherheiten hat, sollte sich im besten Fall einen Ernährungsberater an die Hand holen.

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