Stress und die Fruchtbarkeit

„Aber es macht mir doch Spaß und ist kein Stress“….“Stress mich nicht“…. “Warum bin ich schon wieder so gestresst“….“Man ist das stressig“…. “Stress, Stress, Stress“…wir alle kennen Stress aus unserem Leben. 

Zwischenzeitlich Stress zu haben ist auch in Ordnung, nur sollten wir uns davon regelmäßig erholen um Körper, Geist und Seele die Möglichkeit der Regeneration zu geben. Denn Stress hat Auswirkungen auf uns…und in diesem Artikel soll es insbesondere um auf die Auswirkungen von Stress auf die Fruchtbarkeit gehen.

Was ist Stress und was bedeutet dies für den Körper?

Zu Beginn – der Körper unterscheidet nicht zwischen Gefahr und Stress. Bei Gefahr/Stress wird der Körper in Alarmbereitschaft gesetzt und schüttet akut Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin aus. Dies wird für die akute Stressreaktion genutzt um sich aus der Gefahr oder der Bedrohung zu bringen.  Das Hormonsystem unterscheidet dabei nicht zwischen wirklicher (Lebens-) Gefahr und irrealer Gefahr bzw. Stress, zwischen innerer oder äußerer Ursache. Gefahr – in welcher Form auch immer – löst eine Stressreaktion im Hormonsystem aus.

Dies wäre auch nicht gefährlich, würde die Gefahr bald vorüber sein, der Stress könnte abnehmen und der Körper zur Ruhe kommen. Oder aber der Stress würde körperlich ausgetragen werden (z.B. bei der Flucht durchs Rennen), damit er erst gar nicht gespeichert wird.

Jedoch ist dies bei ständigen Stresssituation und so genanntem Dauerstress oft nicht möglich. Und so bleiben die Stresshormone oben und ziehen eine Reihe von Folgen nach sich. Dies kann sogar auch sein, wenn der Stress als positiv empfunden wird (z.B. Reisevorbereitung; Umzug auf den man sich freut; Vorbereiten von Familienfesten; eine Aufgabe auf der Arbeit, die uns Freude aber auch Stress bereitet). Ebenso spielt die Ursache für die Folgen eine untergeordnete Rolle, da der Körper nicht unterscheiden kann, ob es beruflicher, familiärer oder seelischer Stress ist.
Stress ist Stress und für das Hormonsystem auf Dauer Gift.

Welche Folgen hat Stress auf das Hormonsystem im Zusammenhang mit der weiblichen Fruchtbarkeit?

Für den weiblichen Zyklus und somit für die Fruchtbarkeit ist ein gut funktionierendes Hormonsystem wichtig.

Hormone, welche bei Stress und Fruchtbarkeit eine besonders starke Rolle spielen, sind:

Das akute Stresshormon Adrenalin, welches in der Nebenniere gebildet wird beeinträchtigt die Reifung der Eizellen und somit steht das Ei (nicht) für eine erfolgreiche Befruchtung nicht zur Verfügung.

Bei chronischem Stress ist das Level vom Stresshormon Cortisol hoch. Wenn Stress länger andauert, wandelt es sich bei einigen Frauen in eine Nebennierenerschöpfung. Bei anderen Frauen versucht die Nebenniere weiterhin auf Hochtouren zu arbeiten und bedient sich u.a. am Sexualhormon Progesteron, da daraus schnell weiteres Cortisol hergestellt werden kann. Dann kommt es folglich zum Progesteronmangel, was wiederum für die Einnistung hinderlich ist oder eine Fehlgeburtsneigung nach sich ziehen kann.

Da Cortisol aus den gleichen Hormonvorstufen wie Östrogene besteht und bei chronischem Stress der Körper seine Energie in die Produktion von Cortisol stecken muss, sind weniger Bausteine zum synthetisieren von Östrogenen vorhanden. Und dadurch kann es zu einem erniedrigten Östrogenspiegel kommen – die Folge können Zyklusschwierigkeiten und eine geringere Libido (bei Frau und Mann!) sein.

Prolaktin wird in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) gebildet. Bei Stress kann es zu einer erhöhten Konzentration kommen und dies verhindert die Ausschüttung von dem GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon – einem Freilassungshormone) aus dem Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns). Das GnRH steuert die Freisetzung von FSH (Follikelstimmulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon), welche wiederum für die Eireifung und den Eisprung zuständig sind. Somit kann es bei einem hohen Prolaktinwert zu Zyklusstörungen kommen und in Folge auch zu ausbleibenden Eisprüngen und somit zu Unfruchtbarkeit.

Neben dem Prolaktin haben auch körperliche und psychische Anstrengungen Einfluss auf den Hypothalamus und dieser steuert wie oben beschrieben u.a. über das GnRH die Freisetzung von FSH und LH. Bei Stress wird die Ausschüttung verzögert und somit kommt es zu einem verspätetem oder zu gar keinem Eisprung.

Wenn ein Problem mit der Schilddrüse vorliegt, kann dies durch Stress verstärkt werden. 

Da die Schilddrüsenhormone der „Motor im Fruchtbarkeitsgeschehen“ (Margret Madejsky) sind, den Stoffwechsel regulieren und somit auch die Eizellreifung, den Eisprung und die embryonale Entwicklung fördern, ist eine gut arbeitende Schilddrüse essentiell.

Das Thema Schilddrüse ist für die Fruchtbarkeit nicht zu unterschätzen, denn immerhin sind ca. 20% der Kinderwunschfrauen von einer Schilddrüsenunterfunktion betroffen. Und auch beim Mann kann dies eine Ursache sein!

Noch mehr zu Hormontriade Nebenniere-Schilddrüse-Sexualhormone findet ihr hier.

Stress hat wie eben beschrieben Folgen auf das Hormonsystem. Und meist ist es doch viel komplexer bzw. ist die Auswirkung von Stress auch bei jeder Frau anders. Denn es kann sein, dass die Frau subjektiv gefühlt gar keinen Stress hat, jedoch sind die Hormonwerte auffällig oder sie fühlt viel Stress, aber die Hormonwerte sind im Normbereich. Auch muss es nicht akuter Stress sein, der auf das Hormonsystem wirkt. Ebenso können vergangene belastende Erlebnisse, Traumata, Spannungen, Erwartungshaltungen etc. dazu führen, dass das Hormonsystem unter Dauerstress steht.

Nun haben wir uns angeschaut, was für Auswirkungen Stress auf das weibliche Hormonsystem haben kann. Und natürlich hat Stress auch Auswirkungen auf das männliche Hormonsystem!

Bei Männern ist das wichtigste Fortpflanzungshormon das Testosteron. Und auch das Testosteronlevel nimmt bei Stress ab, da der Körper (wie oben schon beschrieben) vorrangig Stresshormone wie Cortisol produziert.

Interessiert dich das Thema Stress, Erschöpfung und Nebennierenschwäche? Dann schaue auch gerne bei Mandys Onlinekurs „Empower me“ vorbei. Sie gibt dort viele wertvolle Tipps was du bei Erschöpfung tun kannst.

Weitere Folgen von Stress auf die Fruchtbarkeit:

Neben den Hormonen gibt es natürlich auch noch andere Auswirkungen von Stress auf die Fruchtbarkeit, die beide betreffen. Zum Beispiel:

  • Äußerlicher Stress bedeutet meist weniger Zeit. Aber Zeit für Zweisamkeit braucht es unweigerlich für die Entstehung einer Schwangerschaft 🙂
  • Auch wenn äußerlich vielleicht momentan Stress ist und viel von dir gefordert wird, nimm dir gerne etwas Zeit und setzte dich mit deinem Zyklus auseinander. So weisst du nach einer Weile genau, wann deine fruchtbaren Tage sind und kannst sehen, ob und wann du deinen Eisprung hattest. Denn die allerwenigsten Frauen haben ihren Eisprung am 14. Zyklustag, auch wenn das noch immer gerne viel erzählt wird. Ich empfehle dafür so gerne die symptothermale Methode (NFP) für Kinderwunschfrauen und -paare – so lernst du dich und deinen Zyklus noch einmal ganz neu kennen. Weitere Infos dazu findest du auch im Verhütungsguide von Frauengeflüster.
  • Wenn Stress Zeitmangel bedeutet, geht dies oft auch einher mit ungesunder Ernährung, Bewegungsmangel und eventuellem Konsumieren von Genussmitteln. Auch das hat Einfluss auf deinen Körper. Die Schwangerschaft ist quasi wie ein Bonus für den Körper. Erst einmal kümmert er sich um die lebenserhaltenden Dinge und wenn dann noch genügend Ressourcen da sind, kann auch Energie in die Entstehung und Versorgung eines Embryos gesteckt werden.
  • Die Erwartung ein Kind zu zeugen und die Sexualität nur noch nach Plan stattfinden zu lassen, wird nach einer Weile oft zu einer Belastung in der Beziehung. Hier lade ich euch ein, euch trotz stressigen Zeiten immer wieder einen Raum für euch als Paar zu schaffen, wo Begegnungen und Sexualität ohne „Erfolg“ statt finden kann (z.B. sich bewusst Auszeiten schaffen von den Alltagspflichten, Daten (ja, auch in Beziehung kann man das machen ;), Verreisen für einige Tage)

Sich sein Stressmanagement anzuschauen hält – egal ob Kinderwunsch oder nicht – immer einen Schatz für dich und dein Leben bereit. Und auch mit Stress werden Paare schwanger, dass alles ist ja nie zu verallgemeinern.

Wenn sich bei euch jedoch keine Schwangerschaft einstellt obwohl ihr es versucht, ist Stress auch ein Aspekt den ich mit meinen Patient:innen in der Praxis anschaue.

Stress ist auch nicht die einzige Ursache bei der Einschränkung der Fruchtbarkeit. Sie ist ein Baustein. Die Ursachen von Unfruchtbarkeit liegen zu gleichen Teilen bei der Frau und dem Mann und bei mindestens genauso vielen Teilen ist eine Ursache auch gar nicht auszumachen.

Mittlerweile gibt es Heilpraktiker:innen für Frauenheilkunde, die sich gerne mit euch unter ganzheitlichen Aspekten euren Kinderwunsch und die Fruchtbarkeit anschauen.  Oder ihr schaut einmal beim Online-Workshop „Mein Körper – Dein Palast (Kinderwunschkurs)“ von Sina und Mandy vorbei.

Stress durch (vorübergehende) Unfruchtbarkeit

Und nun drehen wir alles noch einmal um – denn Stress kann die Fruchtbarkeit einschränken, aber im Umkehrschluss kann Unfruchtbarkeit auch Stress erzeugen.

„Entspann dich, dann klappt es schon“ ist gut gemeint, aber leider sehr kontraproduktiv. Denn die Paare können sich in einem richtigen Teufelskreis befinden – sie wollen sich kein Stress machen, damit es klappen könnte, und gleichzeitig geraten sie unter Druck durch das Ausbleiben der Schwangerschaft. Auf Dauer kann dies auch zu einem Kinderwunschburnout führen – einen Begriff den ich vor Kurzem gehört habe und der die Situation für einige doch ganz treffend beschreiben kann. Wenn euch das anspricht, ist vielleicht der Moment gekommen, wo ihr euch in erster Linie erst einmal wieder um euch kümmern solltet, damit ihr wieder Kraft tanken könnt und eure Körper die nötige Energie haben um eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Stressabbau fördern

In diesem Artikel ist es nicht möglich detailliert auf die vielen, vielen Möglichkeiten der Stressreduzierung einzugehen. Ein Einblick soll aber nicht fehlen:

Es gibt sogar Studien über Unfruchtbarkeit und Stressmanagement:

„An der Harvard University wurde eine Studie mit 10-Wochen-Programm für Patienten mit nicht erklärbarer Unfruchtbarkeit erstellt, also wenn keine physischen Ursachen gefunden wurden. Das Programm besteht aus Stressabbau und -bewältigung, Yoga, Ernährungsumstellung, Beratung und Gruppensupport. Mehr als die Hälfte der Patientinnen wurden innerhalb von 6 Monaten schwanger!“  Quelle: https://www.meta-gesund.de/wie-wirkt-sich-stress-auf-die-fruchtbarkeit-aus/

Für Paare, wo es auch nach Monaten noch nicht klappen will, ist es ein Weg sich mit sich, seinem Körper, seinen Gefühlen und Leben auseinander zu setzten. Dieser Weg ist nicht immer leicht aber ihr seid nicht alleine. Es ist auch schön zu sehen, dass aus der Naturheilkunde und anderen Bereichen immer mehr Angebote zur Unterstützung da sind und ihr als Paar damit nicht allein sein müsst.

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